Am Anfang …

Ich habe bisher noch gar nicht die Situation beschrieben, aus der heraus dieser Blog entstand. Das hier scheint mir eine gute Stelle zu sein, es nachzuholen.

  • Ich war seit sechs Monaten, also seit Juni 2018 krankgeschrieben.
  • Alle Routinen, die ich mir vor der Tagesklinik im Oktober aufgebaut hatte, waren durch die Tagesklinik im Eimer.
  • Die Tagesklinik war seit Anfang Dezember vorbei und …
  • … ich hatte wegen der Feiertage noch nicht Angriff genommen, die Sachen, die ich in der Klinik gelernt hatte, umzusetzen.
  • Meine Theatergruppe lief seit fast einem Jahr wieder.
  • Auch seit fast einem Jahr war ich in einer Selbsthilfegruppe.
  • Und – ganz wichtig – im Januar startete mein erster Working Out Loud Circle.

… am Ende …

Ende Februar hatte ich wieder eine solide Morgenroutine und ich war Stück für Stück dabei, meine Altlasten, also liegengebliebene Aufgaben, abzuarbeiten. Ich hatte die ersten Sachen hier im Blog veröffentlicht, einen neuen „professionellen“ Twitter angelegt und deutlich mehr Klarheit darüber, wohin ich beruflich wollte.

… und dazwischen

Der Weg von A nach B war aber keine Gerade. Ich musste durch zwei echte Täler durch, habe neue Werkzeuge eingesetzt und viel Unterstützung bekommen. Mal sehen, wie kompakt ich das zusammenfassen kann.

Achtung, das wird zum Teil sehr persönlich!

Das erste Tal: zweieinhalb Wochen depressive EpisodeWas mir Anfang Januar nicht klar war und erst in der zweiten Januarhälfte klar wurde: Ich steckte in den Anfängen einer depressiven Episode.
Schlicht und ergreifend, weil meine ganzen Selbstfürsorgeroutinen im Eimer waren und auch die Unterstützung durch die Klinik und die Familie, die ich über die Feiertage besucht hatte, wegfiel.
Working Out Loud, die ersteIm Januar startete mein Working Out Loud Circle. Wir trafen und treffen uns jede Woche und jede*r arbeitet am eigenen Ziel.
Half und hilft mir sehr, am Ball zu bleiben.
Pläne und BilanzenIm Dezember habe ich eine Verabredung mit meiner Psychotherapeutin getroffen: Jede Woche mache ich eine Bilanz der vergangenen Woche und plane die kommende. Die Bilanzen besprechen wir dann bei unseren Terminen.
Die Bilanzen helfen wir sehr zu bemerken, was ich tatsächlich geschafft habe. Gefühlsmäßig hänge ich immer hinterher, durchs Aufschreiben wird mir klar, wie viel ich eigentlich doch auf die Reihe kriege. Und das ist sehr motivierend.
Außerdem mache ich mir einen täglichen Plan, sowohl mit Routinesachen (Tagesplan schreiben, Meditieren, …) als auch mit Sachen, die einmalig sind (Logo für Blog erstellen).
Planen und Nachverfolgen hilft mir sehr.
Qigong und MeditationIch meditiere mehr oder weniger regelmäßig seit 2014. Ich habe immer mal wieder Pausen gemacht. Und nach der Tagesklinik – wo wir viel Achtsamkeit gemacht haben – fand ich nicht wieder in meinen eigenen Rhythmus. Und ich wollte ein wenig Qigong lernen, einfach um etwas für meinen Körper zu tun.
Kam also beides in meine Pläne ab Anfang Januar. Häufig stand es da nur. Aber es stand immerhin da.
Meine WohnungMeine Wohnung hatte auch ziemlich gelitten. Sie war kein Messieheim, aber es wäre mir auch sehr peinlich gewesen, jemanden reinzulassen.
Täglich 10 Minuten Aufräumen kamen also auch auf die Liste. Durften natürlich auch mehr sein, musste es aber nicht.
Motivational Fit, Personal Projects und Atomic HabitsWas dann wirklich half, war die Änderung meines Working-Out-Loud-Ziels vom eigenen Solotheaterauftritt zu „Verstehen von Gewohnheiten“. Besonders die drei Sachen links haben mir geholfen, meine Perspektive zu ändern. Und ich werde definitiv über alle drei auch noch schreiben.
FocusMateDer letzte Baustein kam zufällig durch die Erwähnung eines Freundes. FocusMate ist ein Online-Dienst, über den man sich für jeweils 50 Minuten als Arbeitspartner per Videochat zusammentut.
Ich mache drei bis vier Sitzungen davon am Tag: Qigong & Meditation, um den Tag zu beginnen; meine Krötensitzung, in der ich das tue, was mir am unangenehmsten ist (Anträge, Steuern, …) oder was besonders wichtig ist (Wochenbilanz und -plan). Und dann noch ein oder zwei für den Rest.
Allein die Tatsache, dass da jemand aus Paris, Hongkong, Lissabon, Berlin oder London auf mich wartet, um auch zu arbeiten, hilft mir, mich aufzuraffen und zu beginnen. Und 50 Minuten am Stück sind eigentlich immer machbar.
Working Out Loud, die zweiteAußer einen eigenen Circle zu haben, war ich jetzt bereits zweimal beim Treffen der Hannoverschen Working Out Loud Community. Eine echte Energietankstelle, voll mit engagierten Menschen, die etwas bewegen wollen.
Das zweite Tal: Die lieben FinanzenTrotz allem hatte ich dann die letzten beiden Februarwochen noch mal ein ziemliches Tal. Aufgrund rechtlicher Sachen, über die ich nicht reden möchte, wurde es finanziell extrem knapp. Und Knappheit hat ganz merkwürdige Auswirkungen auf den Kopf und das Verhalten. Über die Psychologie der Knappheit werde ich auch noch schreiben.
Jedenfalls ging ich viel zu spät ins Bett und baute eine üble Schlafschuld auf.
Erkenntnis & UnterstützungWas mir durch das zweite Tal geholfen hat, waren zwei Dinge: Zum ersten wurde mir auf einmal klar, was da überhaupt los war mit mir (Geld, Knappheit, Schlaf). Und zum zweiten hatte ich durch meinen Circle Menschen, mit denen ich ganz offen drüber reden konnte. Und ich rede überhaupt nicht gerne über Geld.
Ich fand es absolut erstaunlich, welche Wirkung es hatte, diese Scham aus dem Dunkel ins Licht zu bringen und offen darüber zu reden. Ab dem Abend war ich wie verwandelt und konnte wieder bewusst das Steuer in die Hand nehmen.
Manchmal muss man Glück haben Auch darüber will ich nicht weiter reden, aber es tauchte etwas „Zufallsgeld“ auf. Meine Finanzen sind mittlerweile wieder in Ordnung, die Knappheit ist überstanden.
Ich wäre auch anders durch dieses Tal gekommen, aber ich nehme diesen Glücksfall jedenfalls von ganzem Herzen an.

Puh, das war’s für Januar und Februar. War nicht einfach, über das alles zu schreiben. Aber Offenheit und Ehrlichkeit sind ja zwei meiner zentralen Werte. Ich werde mir eine Erinnerung in den Kalender packen und schauen, dass ich jeweils zum Monatsanfang eine Bilanz des letzten Monats veröffentliche.

Meine Frage an dich: Wie waren Januar und Februar für dich?

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