Ich habe mich von Markus Bock inspirieren lassen und werde meinen Blog jetzt erst mal vor allem dazu nutzen, alle auf dem Laufenden zu halten, die auf dem Laufenden gehalten werden wollen. Ich verliere nämlich den Überblick, wem ich was erzählt habe. Da ich sehr offen mit meiner Depression umgehe, kennen einfach eine Menge Menschen aus vielen Bereichen meines Lebens zumindest Teile meiner Situation.
Und ich hoffe natürlich auch, dass meine Erlebnisse und Gedanken für anderen Betroffenen, deren Angehörigen oder einfach Interessierten irgendwie helfen können, beispielsweise als Versicherung, dass du nicht allein bist. Denn auch wenn du dich manchmal so fühlst, als ob du die einzige Person bist, die mit diesen Problemen ringt, du bist es nicht. Aber du – und auch ich – müssen manchmal daran erinnert werden.
Wenn ihr also auf dem Laufenden bleiben wollt, tragt ganz einfach rechts eure Mail-Adresse ein. Oder AusDerNull beim RSS-Reader eurer Wahl abonnieren.

Für meine Familie und Freunde: Wenn ihr diese Bestandsaufnahme lest, dann habt bitte eines ganz fest im Hinterkopf und glaubt daran: Nichts von alldem liegt an euch. Im Gegenteil. Viele von euch haben Hilfe angeboten, ohne euch würde es mir viel schlechter gehen.

Aber eins ist ganz wichtig zu wissen, wenn es um Depression (und psychische Krankheiten im Allgemeinen) geht: Solange ich nicht dazu bereit bin, wird nichts helfen. Zumindest nicht auf Dauer.

Für alle: Das hier ist ein langer Beitrag. Und ich weiß, dass nicht alle mit den Sachen hier gut umgehen können. Was völlig okay ist. Falls es dir also zu viel wird, hör bitte auf zu lesen. Niemand ist dir böse deswegen. Oder spring schnell nach unten zum P.S., um noch etwas positives mitzunehmen.

Warum eine Bestandsaufnahme?

Kurz: Um Licht ins Dunkel zu bringen, um die muffigen Keller meines Kopfes zu lüften. Denn ein Teil meiner Misere ist, dass sich mit der Zeit Scham zu allen anderen Problemen gesellt hat.
Scham, offen über alles zu reden.
Scham, weil ich als erwachsener Mann meinen elementarsten Alltag nicht auf die Reihe kriege.
Scham, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde. Und den Ansprüchen, von denen ich denke, dass sie die Gesellschaft an mich hat.

Und das beste, das einzige Gegenmittel, das ich für Scham kenne ist, alles aus dem Dunkel ins Licht zu bringen, sozusagen die Vorhänge aufzuziehen, die Fenster zu öffnen und so Licht und Luft reinzulassen – und andere Menschen. Offen und ehrlich zu sein. (Vielleicht einer der Gründe, warum Therapie funktioniert: Wenn alles klappt, kannst du dort offen und ehrlich über alles reden.) Das ist aber nicht unbedingt leicht: Ich gehe mit diesem Beitrag schon Wochen schwanger, obwohl ich es in meinen Knochen spüre, dass es das richtige ist. Und auch jetzt, wo ich angefangen habe, fällt mir das Schreiben schwer. Aber es ist richtig und wichtig, dass ich es tue.

Ich werde, so gut ich kann, die Bestandsaufnahme aufteilen in objektiv und subjektiv. In das, was sich von außen beobachten lässt und das, was nur ich von innen mitbekomme. Gründe, Ursachen und Gegenmaßnahmen wirst du hier nur wenig finden. Die kommen (hoffentlich? vielleicht?) später. Aber ich überlege schon, wie es weitergehen könnte.

Und jetzt: Fenster auf und Licht an!

Bestandsaufnahme von außen

Körper

Fangen wir mit der Bombe an: Ich wiege zurzeit 172 kg auf 179 cm (Stand 20. Juni), also ein knappes Kilo pro Zentimeter, ungefähr doppelt so viel , wie ich wiegen sollte. In den zweieinhalb Jahren, seit ich zum dritten Mal nach Hannover gezogen bin, habe ich ca. 25 Kilo zugenommen. Ich bin Jahrgang 1971, bis Oktober noch 47 Jahre alt.

Ich bin so fett und unfit, dass ich außer Atem bin, wenn ich die Treppen von der U-Bahn hochgeklettert bin. Ich nehme mittlerweile gerne mal den Aufzug. Auf ebenem Untergrund geht’s, aber auch hier wird mir mal schnell die Luft knapp. Schneller gehen und dabei reden ist echt anstrengend. Ich kann nicht mehr komplett durch die Nase atmen, wenn ich mich schneller bewege. Und Hitzewellen wie gerade sind brutal für mich, da ich Dank meines großen Volumens Hitze gut speichere und schlecht abgebe (die Bergmannsche Regel aus dem Biounterricht lässt schön grüßen.)

Ich bin so schwer, dass meine für den 18. Juni angesetzte medizinische Reha von der Klinik abgesagt wurde, da sie nur Betten und Geräte für Patienten bis maximal 150 kg hat. Auf einen neuen Termin und eine neue Klinik warte ich noch.

Meine Blutwerte sind alle im grünen Bereich und mein Blutdruck „nur“ am oberen Ende des Normalbereichs oder am unteren Ende des Bluthochdrucks.

Ich habe Schlafapnoe, akut geworden und diagnostiziert vor ungefähr zwei Jahren. Ich kann nur erholsam mit einem BiPAP-Gerät und Vollmaske schlafen, da ich sonst über 50 Atemaussetzer in der Stunde habe. Und schon seit Kindheit habe ich Asthma (allergisches, aber vor allem Belastungsasthma) – was weder durch die Schlafapnoe noch die Fettleibigkeit irgendwie verbessert wird.

Und dann sind da noch die alltäglichen Unannehmlichkeiten: Stühle mit Seitenlehnen sind mittlerweile meist zu eng und Gürtel, die ich um meine Leibesmitte schlingen kann sind selten.

Wohnung & Alltag

Ich habe große Schwierigkeiten, meinen Alltag am Laufen zu halten. Am stärksten sieht mensch das an meiner Wohnung: viel ungewaschene Wäsche, schmutziges Geschirr, Altglas, vergessene gelbe Säcke. Meine Fenster habe ich einmal geputzt, seitdem ich eingezogen bin. Den Boden wische ich manchmal monatelang nicht, meine Papiere und Briefe sind an verschiedenen Ecken gestapelt. Und staubig ist es natürlich auch.

Ich fand’s schon immer schwierig, Ordnung zu halten. (Zweimal habe ich meine Mietkaution nicht wiederbekommen, weil meine Vermieter meinten, sie hätten zu viel nachputzen müssen. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob das stimmt oder ein erfolgreicher Versuch war, die Kaution einzubehalten.) Aber die aktuelle Situation ist ein neuer Rekord.

Auch Termine zu vereinbaren oder irgendwo anzurufen fällt mir schwer. Ich kriege es meist irgendwann und irgendwie hin, aber gerne mal auch erst nach zwei, drei oder noch mehr Wochen. Ich stresse mich währenddessen die ganze Zeit mit schlechtem Gewissen für etwas, das dann gerne mal in zehn Minuten erledigt ist.

Immerhin hole ich meine Post jeden Tag rein und mache die Briefe auf. Da gab es Zeiten, da hat auch das nicht geklappt. Aber der Stress mit Mahnungen etc., den ich mir damals eingehandelt habe, treibt mich noch heute zum Briefkasten.

Geld & Arbeit

Ich bin seit über einem Jahr krankgeschrieben, im November 2018 wurde mir auch gekündigt. Vorher konnte ich nur noch eine halbe Stelle schaffen und auch das wurde gegen Ende hin schwieriger. Aktuell bekomme ich also Krankengeld auf mein halbes Gehalt. Mein monatliches Einkommen fällt daher nicht wirklich üppig aus und lässt praktisch keinen Spielraum für Reparaturen oder Ersatz zu, falls mal was kaputt geht.

Dazu kommt, dass ich schon immer meine Finanzen gern ignoriert habe. Bequem einkaufen war wichtiger als günstig. Was Cooles kaufen gab mir eine gewisse Befriedigung. Und Süßigkeiten sind auch nicht billig.

Dazu kommen dann immer mal wieder so Sondergeschichten. Umziehen ist nicht billig und ich bin häufig umgezogen. Über Mahnungen habe ich oben schon geschrieben. Und weil mir im mehr oder weniger depressiven Zustand vieles einfach egal ist, bin ich auch schon zweimal abgemahnt worden wegen Urheberrechtsverletzungen. Und das ist wirklich nicht billig. Außerdem habe ich es auch schon mehrfach geschafft irgendwelche Abos für Dienste oder Spiele abzuschließen und die völlig zu vergessen. Die liefen dann monate- oder gar jahrelang im Hintergrund, weil ich mir auf meinen Kontoauszügen immer nur den Endstand angeschaut habe und nie die Buchungen. Haushaltsbuch gab es sowieso nicht.

Das ist seit der Krankschreibung etwas anders. Ich lasse mir überall Kassenzettel mitgeben und mache sonntags Buchhaltung. Meistens. In den letzten Wochen nicht, aber das will ich noch nachholen, alle Unterlagen habe ich.

Neue Arbeit finden ist im Moment ein Schreckgespenst. Alle meine bisherigen Jobs kann ich aufgrund der Kopfschmerzen zur Zeit nicht machen. Körperliche Arbeit wäre bei meinem Gewicht und meiner Fitness im Moment wohl auch nicht wirklich hilfreich.
Und das alles, bevor ich mir überhaupt meine Antriebslosigkeit, meine Hoffnungslosigkeit, eben meine Depression in die Rechnung einbezogen habe.
Das frisst manchmal ganz schön an meinem Selbstbild, meiner Identität. Aber das Thema habe ich noch nicht genügend durchgekaut, um darüber zu schreiben.

Andere Menschen

Da ich zurzeit nicht arbeiten kann und nicht viel (r)ausgehe, bin ich auch nicht allzu viel unter Menschen. Andererseits habe ich meine Theatergruppe, meine Selbsthilfegruppe und die Hannoversche Working Out Loud Community. Plus einige regelmäßige Kontakte per WhatsApp und Videochat und unregelmäßige Treffen mit neuen Freunden aus der Tagesklinik. Im Allgemeinen reicht mir das im Moment, Menschenmengen überfordern mich gerade schnell. Speziell der Lärm.

Und ja, es ist mir natürlich peinlich, wie ich aussehe. Oder dass ich wie erwähnt kaum in die Stühle mit Seitenlehnen passe, die in vielen Cafés stehen. Dass ich mir nur wenig leisten kann, dass ich schnell außer Atem bin. Ich habe dabei häufig das Gefühl, anderen zur Last zu fallen oder ihnen peinlich zu sein. Oder Mitleid zu erregen – was so ziemlich das Schlimmste ist.

Brot und Spiele. Beziehungsweise Video.

Ich esse viel. Vor allem viel Wurst, Fertiggerichte, Chips und Süßes – was Nutellabrot und -brötchen einschließt. Ich trinke viel Kakao. Auch Saft und Instant-Zitronentee (mit Honig zusätzlich gesüßt) stehen auf dem Programm. Und das alles gerne, während ich Videos schaue. Oder lese. Oder computerspiele. Oder Radio oder Podcasts höre.

Das heißt, Lesen und Computerspiele sind im Moment nicht so wirklich drin, da kriege ich Kopfschmerzen von. Dafür sind ja Dank Streamingdiensten, Mediatheken, YouTube und meinem eigenen Archiv mehr als genug Sachen zum Anschauen da.

Mit anderen Worten, ich gucke viel Video. Ich habe schon als Kind recht viel ferngesehen, aber seit meinem ersten Auszug wurde es immer mehr: Videotheken und Freunde, die mir ihre Sachen geliehen haben. Und dann halt das Netz, mit legalen und weniger legalen Angeboten.

Zu meinen ärgsten Zeiten habe ich auf dem Weg nach der Arbeit ausgerechnet, wie viele Folgen ich von einer Serie an dem Abend noch schaffen konnte und trotzdem noch ungefähr ausreichend Schlaf zu bekommen. Komplette Staffel Star Trek: Deep Space Nine mit 26 Folgen? An einem Wochenende? Kein Problem!

Wenn ich computerspielen kann, dann kann das ganz ähnlich laufen: „Noch einen Moment. Noch diese Story zu Ende verfolgen. Oh, jetzt ist die Nebenhandlung auch schon fast durch. Das mache ich noch schnell.“

Dabei kommen Schlaf, Bewegung, gesundes Essen und Freunde natürlich gerne mal zu kurz. Glücklicherweise ist es im Moment nicht richtig schlimm.

Diese (mindestens) leichte Zwanghaftigkeit tauchte auch manchmal bei der Arbeit auf. Auf der Plusseite habe ich dadurch in kurzer Zeit immer viel gelernt und meine Arbeit gründlich gemacht. Auf der Minusseite habe ich dadurch häufig auch nicht registriert, wenn es besser gewesen wäre, das aktuelle Problem zur Seite zur legen. Und entweder später noch mal anzufangen, aufzugeben, um Hilfe zu bitten oder es an meinen Chef zurückzuspielen.

Fazit außen

Ich habe im Moment von nichts mehr zur Verfügung als Zeit. Meine Wohnung könnte blitzen und blinken. Ich könnte so fit sein wie schon lange nicht mehr. Ich könnte viel gesunder essen, weil ich Zeit zum Kochen habe.

Theoretisch. Praktisch sieht es anders aus, wie du jetzt weißt. Dem oder den Gründen dafür kommen wir etwas näher mit einer

Bestandsaufnahme von innen

Du könntest jetzt vielleicht meinen, dass ich mich die ganze Zeit beschissen fühle. Entweder als Ursache von alldem oder als Wirkung.

Tatsächlich fühle ich aber ganz häufig: nichts.
Oder zumindest nicht intensiv.
Außer vielleicht Leere und Antriebslosigkeit.
Die meisten Sachen interessieren mich nicht (mehr).
Auch die, für die ich mal gebrannt habe.
Und/oder sie machen nicht mehr so viel Freude wie früher.

Taub und leer, leer und taub. Ohne Sinn, ohne Zweck, ohne Richtung. Oder eben auch: vor allem nichts.

Ich weiß ganz genau, was ich tun müsste, um die meisten Symptome oben in den Griff zu kriegen: Sport treiben, meditieren, Tagebuch schreiben, fasten, mich ehrenamtlich engagieren, realistische Wochen- und Tagespläne machen.

Und manchmal fange ich auch an. Wenn es dann doch mal zu sehr weh tut. Wenn der Druck von außen zu groß wird, weil sich beispielsweise Handwerker angekündigt haben.

Apropos außen: Wenn ich anderen helfen kann, bin ich immer noch ganz schnell bei der Sache und auch ganz zuverlässig.
Und wenn ich mit anderen zusammen bin, habe ich auf einmal eine Maske auf: Interessiert, hilfsbereit, vielleicht sogar unterhaltsam.
Das passiert ganz automatisch, selbst bei meiner Therapeutin und vor einigen Monaten in der Tagesklinik. Denn ich will ja gemocht werden, ein guter Freund, Sohn, Patient, Klient sein.
Die Maske kostet aber auch Kraft, die mir dann an anderer Stelle fehlt.

Aber dieser Schwung hat bisher nie vorgehalten. Der Schmerz wird wieder erträglich, der Druck lässt nach. Und mit ihnen auch mein Antrieb. Strohfeuer. Wieder einmal. Und häufig auch ein guter Grund mir selbst noch welche hinter die Ohren zu geben: „Lusche. Undiszipliniert warst du ja schon immer. Alles deine eigene Schuld. Wenn du dich bloß mal zusammenreißen würdest, dann …“

Ich weiß, dass das alles nicht wahr ist, dass ich krank bin. Das hindert meinen inneren Kritiker aber nicht daran, in den wunden Punkten rumzustochern – mit einer ordentlichen Portion Salz am spitzen Stock.

Das Schlimmste ist aber das Gefühl, keine Antwort auf die Frage zu haben „Wozu das Ganze?“ Und zu glauben, dass es darauf auch nie eine Antwort geben wird.

Das Gefühl, mindestens einmal zu oft in meinem Leben falsch abgebogen zu sein und dass es völlig hoffnungslos ist, den Weg wiederzufinden. Oder meinen Weg. Oder auch nur irgendeinen Weg.

Und ja, ich weiß, der Weg entsteht beim Gehen. Aber Losgehen fällt mir soooo unendlich schwer. Und von anderen immer und immer wieder angestoßen zu werden (werden zu müssen), das verstärkt nur meine Hoffnungslosigkeit und mein Gefühl der Nutzlosigkeit.

Auf der anderen Seite wäre es natürlich cool, wenn jemand, also meine gute Fee oder so, auftauchen würde und mit einem Schlag wäre alles gut. „Passive Erlösungswünsche“ nannte meine Therapeutin aus der Tagesklinik das.

Mit anderen Worten: Ich wünsche mir, dass es anders wäre. Aber ich bin nicht bereit, mich zu ändern. Nur noch nicht, hoffentlich.

Und falls du dir jetzt trotz der Einleitung Sorgen machen solltest: Selbstmord oder Selbstverletzung steht nicht auf dem Programm. Und Aufgeben auch nicht, zumindest nicht auf Dauer.

Denn eins ist ganz wichtig: Depression ist nicht wie ein gebrochenes Bein, dass einfach so lange kaputt ist, bis es wieder heile ist. Depression heißt nicht, dass es mir ständig so geht, wie ich es hier beschrieben habe. Nur halt sehr oft, zu oft.

Ich habe auch nicht immer eine Maske auf, wenn ich mich mit Freunden treffe oder Theater mache. Da sind immer wieder Zeiten, Momente, in denen mir mein Leben Freude bereitet. Wie Sessions auf dem BarCamp Hannover geben. Oder bei der Working Out Loud Community in Hannover dabei zu sein.

Kopfschmerzen & Co

Ganz klar körperliche Symptome, aber welche, die außer mir keiner wahrnehmen kann. Und der Grund, warum ich überhaupt im Juni 2018 zum Arzt gegangen bin und dann die Krankschreibung akzeptiert habe.

Seit Ende letztem Mai, also seit über einem Jahr, kriege ich Druck, Kopfschmerzen vorn in der Stirn über der Nasenwurzel, wenn ich mich zu lange konzentriere. Die Dauer hängt davon ab, was ich tue. Komplizierte Texte lesen ist richtig schlimm. Am Computer arbeiten ist richtig schlimm. Schreiben ist schlimm, wenn ich den Text konstruieren muss. Je abstrakter die Aufgabe, desto schlimmer.
Sprich alles, was ich für meine Arbeit brauch(t)e ist schlimm. Was ich mache bzw. gemacht habe? Die technische Administration und den technischen Support für Online-Kurse im Projektmanagement. Und da war ich immer am Lesen, Lernen, Basteln und Dokumentieren.

Diese Konzentrationskopfschmerzen nenne ich mal die Ursprungskopfschmerzen. Und dann gibt es noch Folgekopfschmerzen. Die entstehen, wenn ich versuche, die ursprünglichen Schmerzen zur Seite zur schieben. Oder mich wegen ihnen dauerhaft anspanne, um mit ihnen umzugehen. Und je mehr mir die Folgekopfschmerzen die Energie aussaugen und ich mich immer weniger bewege, desto schlimmer werden sie.

Die Folgekopfschmerzen habe ich mittlerweile seit, hm, zwei Wochen im Griff. Mich selbst mit einem Faszienroller am Türrahmen zu bearbeiten tut verflucht weh, hilft aber. Endlich. Vorher hatte ich mehrfach mehrere Wochen lang Kopfschmerzen. Mehre Wochen lang jeden verdammten Tag.

Die ursprünglichen Konzentrationskofpschmerzen sind noch da, an denen hat sich im ganzen Jahr praktisch nichts geändert. Und ja, auch das Blogschreiben oder die Sessions auf dem BarCamp „belohnen“ mich mit Kopfschmerzen. Aber manche Dinge sind diesen Preis wert, beispielsweise das Schreiben, das mir hilft, meine Situation zu verarbeiten.

Wenn ich besonders gestresst oder müde oder beides bin, höre ich hin und wieder auch noch ein Piepen oder Pfeifen. Entweder kurz und laut oder dauerhaft und leise.

Und in den letzten Wochen ist mir manchmal auch ein klein bisschen übel. Nicht dramatisch, aber völlig ungewohnt für mich. Und ich kann es keinen äußeren Zuständen wie Medikamenten, Temperatur oder bestimmtem Essen zuordnen.

Wie geht’s weiter?

Wenn ich das mal so genau wüsste …
Es ist halt immer schwierig Vorhersagen zu treffen, besonders, wenn es um die Zukunft geht 😉

Aber hier ist, was ich tun möchte:

Ich möchte wieder/weiter Beiträge für meinen Blog schreiben.
Zum ersten, um alle Interessierten auf dem Laufenden zu halten.
Zum zweiten, um vielleicht, hoffentlich durch meinen öffentlichen Auftritt mich selbst immer wieder in den Hintern zu treten und am Ball zu bleiben.
Zu Schreiben ist vielleicht der wichtigste Punkt auf meiner neuen täglichen Checkliste.

Ich warte jetzt darauf, wie es mit meiner medizinischen Reha weitergeht. Noch habe ich keinen Hinweis darauf, was als nächstes passiert.

Ich überlege schweren Herzens eine Pause vom Theater zu nehmen. So gerne ich meine Freunde sehe, die Proben bringen im Moment meinen Schlafrhythmus durcheinander und kosten Kraft und Kopfschmerzen. Ressourcen, die ich, glaube ich, gerade an anderer Stelle gerade dringender brauche. Und eine Pause ist ja kein Abschied.

Alles weitere wird sich dann – denke ich, hoffe ich – aus diesen Punkten ergeben. Zum Beispiel endlich mal wirklich meinen MBCT-Kurs zum Depressionsmanagement komplett durcharbeiten und die Erfahrungen hier teilen. Oder die Bestandsaufnahme in einem weiteren Beitrag noch um meine Geschichte zu erweitern, um den Weg, der mich ins Hier und Jetzt geführt hat. Mal sehen.

Wenn du Fragen, Wünsche oder Vorschläge hast, was hier ins Blog soll, kannst du die unten als Kommentar hinterlassen. Oder mir übers Kontaktformular schreiben.

P.S.: Aluminiumstreif am Horizont

Am Donnerstag, den 20. Juni 2019 habe ich angefangen, diesen Beitrag zu schreiben. Er reflektiert den Stand, den ich an dem Tag hatte.

In den ungefähr zwei Wochen, die ich am Beitrag geschrieben habe, hat sich ein bisschen was getan: Ich war dreimal Wäschewaschen. Ich habe deutlich aufgeräumt und mal wieder gewischt. Es steht nur noch das tägliche Geschirr zum Abwasch bereit. Ich habe meine Buchhaltung nachgeholt. Ich habe wieder eine Checkliste für den Tag und habe mich mehr bewegt und meditiert. Ich habe alle Spiele vom Computer und vom Handy geworfen. Ich habe auch etwas abgenommen, was aber durchaus an Appetitlosigkeit durch das heiße Wetter liegen könnte 😉

Am vielleicht wichtigsten ist, dass ich mich daran erinnert habe, dass mir Schreiben Freude bereiten kann – wenn es ein Thema ist, dass mir persönlich am Herzen liegt. Wie dieser Beitrag.

Gut, dass sich ein Volksbefrager für den Mikrozensus angekündigt hatte und da war, hat geholfen in die Gänge zu kommen. Meine Checkliste erfülle ich nur zu ungefähr 50%, aber das ist aber deutlich mehr als vorher. Und meinen Schlafrhythmus habe ich auch zwischendurch zweimal komplett durcheinandergebracht – und wieder eingefangen.

War die Entscheidung, die Fenster und Türen aufzureißen und Licht und Luft (also dich und die anderen Leser) reinzulassen, also die Lösung? Oder zumindest eine Lösung? Ich weiß es nicht. Aber es tut gut, wieder nach vorne zu gehen.

P.P.S.: Leseempfehlung

Markus Bock hat vor Kurzem was zur Antriebslosigkeit geschrieben, den Beitrag Antriebsloser Tatendrang. Ich habe mich da jedenfalls sehr wiedergefunden. Und vielleicht hilft er dir, diesen Zustand zu verstehen.

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